Alte Normalität

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IrgendwannEinmal
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon IrgendwannEinmal » Di 27. Okt 2020, 18:32

Zu deiner Erbauung?

casinosoul
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Di 27. Okt 2020, 18:38

Nein. Weil es relevant ist, für die eigene Urteilsbildung.

Brick Top
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon Brick Top » Di 27. Okt 2020, 18:43

Haben wir, muss man nur zwei Seiten vorher schauen, lesen oder eben ignorieren.
Es soll ja schließlich hier nicht zum 51. Mal stehen. :cool:

Ich hatte allerdings darauf verwiesen, dass Ioannidis sich bereits im 1. Halbjahr ins Abseits gestellt hat.
Dies kann man hier lesen oder wiederum ignorieren und eins, zwei Seiten später erneut danach fragen: https://www.laborjournal.de/editorials/2009.php
Wenn man schon seinen Zitationsscore preist, sollte man auch erwähnen, von welchem zum Teil braun-orangen Rand sich dieser speist. :roll:
Zuletzt geändert von Brick Top am Di 27. Okt 2020, 18:49, insgesamt 1-mal geändert.
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JudgeDark
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon JudgeDark » Di 27. Okt 2020, 18:48

casinosoul hat geschrieben:
Di 27. Okt 2020, 18:18
Könntet ihr mal die Sicht der Kritiker von Ioannidies, aus eurer Sicht, sachlich zusammenfassen?

NEIN!
Unter Eishockey-Profis gilt die Eissporthalle am Seilersee als einer der schlimmsten Orte auf Erden. Ach was, es ist die "Hölle", sagen die meisten.
(Süddeutsche Zeitung - Februar 2017)

casinosoul
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Di 27. Okt 2020, 19:54

Was sagen die Kritiker zu Ioannidis (Standford University)? Zunächst die Ausgangslage - Teil 1:


[@Brick Top: Falls ich Namensbezeichungen mal falsch tippe, bitte korrigiere diese - ich tippe in mein Smartphone - Danke!]

Vorbemerkung:

Endgültige wissenschaftliche Wahrheiten gibt es nicht. Alles funktioniert im Feld der Wissenschaft, seit der Aufklärung im 18. Jh., nach dem Prinzip These - Antithese - Synthese. Dorsten sagt es seit Februar immer wieder. Das ist unzweifelhaft sein großes Verdienst.

Wir alle können diese Suche nach wissenschaftlicher "Wahrheit" (Erkenntis / Fehler / Irrtum /bessere Erkenntis) seit Cocid-19 in besonders krasser Form öffentlich beobachten.


Die Ausgangslage:

Das Virus war völlig neu. Wir alle - Bürger, Wissenschaftler und Politiker - wussten nicht, was da auf uns im Februar zukam. Im März wussten wir, dass wir wenig bis nix wissen. Jürgen Habermas hat dieses Nichtwissen Anfang April (oder Ende März?) in einem Interview mit seiner Heimatzeitung, der Rheinischen Post, auf den Punkt gebracht.

Einige wenige Wissenschaftler haben dieses Nichtwissen offensiv problematisiert. Ioannidis meinte im März, unser Wissen über das Virus sei ein "Evidenzfiasko".

In der Mediastudie für die WHO (Bulletin, Oktober 2020) hat sich Ioannidis nun weltweit die verfügbaren Studien über das Sterblichkeitsrisiko von Covid-19 angeguckt. Sein Befund: Die Sterblichkeit liege bei 0,26 %, in Industriestaaten mit gutem Gesundheitssystem deutlich drunter. Die schlimmen Sterblichkeitsszenarien vom März seien übertrieben. Das Virus sein gefährlich - bis sehr gefährlich für Alte - aber es sei kein "Killervirus".

Die Einschätzungen im März:

Im März ermittelte das RKI eine Fallsterblichkeit von 4 bis 9 %. Fallsterblichkeit bedeutet: Wieviel sterben an Covid-19, die offiziell positiv gestestet worden sind. Ioannidis meinte, mit dem Indikator Fallsterblichkeit gucke man nur auf offiziell positiv Gestetete. Die Dunkelziffer werde ausgeblendet. Bis heute sei nicht bekannt, wie hoch die Dunkelziffer von Infizierten wirklich sei. Andere Wissenschaftler forderten bereits im April, Dunkelzifferstudien durchzuführen ("Prävalenzstudien"), um die Gefahr von Covid-19 realistischer einschätzen zu können.

Ein Beispiel:

https://ojs.ub.uni-konstanz.de/srm/article/view/7749

Die Kritik an absoluten Fallzahlen war, kurz zusammengefasst: Es gab im Frühjahr keine Prävalenzstichproben, um den tatsächlichen Anteil der Infizierten in der Population zu bestimmen. Es gab nur Zahlen über mehr oder wenig beliebig Getestete. Die Dunzelziffer der Infizierten war und ist noch immer weithin unbekannt.

Einige Wissenschaftler schätzen inzwischen, dass es bus zu 10x mehr tatsächlich Infizierte geben würde als offiziell positiv Gestestete. Im Frühjahr könnten es sogar in D 80.000 bis 100.000 Personen pro Tag gewesen sein. keiner weiß es.

Der Ansatz von Ioannidis:

Er hat sich, weltweit, (regionale) Prävalenzstudien angeguckt, die in den letzten Monaten durchgeführt worden sind, um der Frage nachzugehen, wieviel tatsächlich (incl. Dunkelziffer) infiziert waren/und sind, um dann abzuschätzen, wie hoch - nicht die Fallsterblichkeit, sondern die "tatsächliche" Sterblichkeit ist. Das ist zunächst ein ehrenwerter Ansatz, um Licht ins Dunkel des Nichtwissens zu bringen.

Das - statistische geschätzte - Ergebnis von Joannidis: 0,26 % der "tatsächlich Infizierten" sterben an Covid-19, in Industriestaaten mit exzellentem Gesundheitssystem unter 0,12 % der Infizierten.

Was sagen die Kritiker von Ioannidis? Warum sagen sie, Ioannidis würde das Sterblichkeitsrisiko - teilweise oder total - falsch einschätzen? Was sind Ihre, zum Teil grundlegenden Einwände?

Nachher mehr... Oder spätestens morgen. Ich wühle mich gerade durch die Papers seiner zahlreichen Kritiker durch.

casinosoul
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Di 27. Okt 2020, 20:50

Schweden, 26.10.20: 1 Toter.

Franky, entweder Google können wir als Quelle in die Tonne kloppen. Oder Schweden manipuliert die Zahlen. Oder in Schweden wird anders kategorisiert. "Mit" Corona sind dann nicht mehr CTote, weil sie nicht "an" C ursächlich gestorben sind. Oder Schweden ist doch erfolgreicher, nach dem dortigen Chaos im Altenpflegesystem. Wie auch immer. Zahlen sind inzwischen ein krasses Politikum geworden.

JudgeDark
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon JudgeDark » Mi 28. Okt 2020, 19:26

Vier Wochen Lock-Down-Light ... war zu erwarten. Mit allen Regelungen bin ich nicht einverstanden, aber ich verstehe und akzptiere, dass Bund und Länder was machen müssen! Löblich ist dabei, dass mal alle an einem Strang ziehen ... wäre schön gewesen, wenn man das durchgängig gemacht hätte, vielleicht wäre es dann gar nicht so weit gekommen wie es sich aktuell darstellt! Fast 15.000 Neuinfektionen, eine Zunahme der intensivmedizinischen Betreuung und auch noch mehr Todesfälle ... sehr bitter!
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(Süddeutsche Zeitung - Februar 2017)

casinosoul
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Mi 28. Okt 2020, 20:27

Die Ioannidis-Kritiker - Teil II

Was wissen wir über die Infektionssterblichkeit (infection fatality rate, IFR) von Covid-19?

Es hat leider etwas länger gebraucht, da ich erst die Journalartikel lesen musste.

Ich stelle zentrale Kritikpunkte an der WHO-Metastudie von Ioannidis zusammen, unter Angabe der Quellen. So kann jeder bei Bedarf prüfen, ob meine Zusammenfassung der jeweiligen Kritik an Ioannidis korrekt ist.

Die Sterblichkeitsrate informiert darüber, wie tödlich Covid-19 ist. Doch die Sterblichkeitsrate zu ermitteln, das ist auch nach Monaten der Pandemie nicht einfach, da es keine verlässlichen Zahlen gibt, sondern nur statistische Schätzwerte. Verschärfend kommt hinzu, dass während der ersten Welle - mutmaßlich - viele Infizierte nicht getestet worden sind. Die WHO schätzt, dass bereits bis zu 10 % Weltbevölkerung infiziert gewesen sein könnten, also nicht nur 40 Millionen, wie offiziell als positiv getestet worden sind. Wir haben es also mit dem erheblichen Problem der Dunkelziffer zu tun (s. Teil I).

Der von Ioannidis ermittelte Schätzwert von 0,26 % der Infektionssterblichkeit (Infection fatality rate, IFR) steht in deutlichem Kontrast zu den Schätzwerten der Fallsterblichkeit (Case fatality rate, CFR), die im Frühjahr aus den offiziell bekannten Infektions- und Todeszahlen ermittelt worden sind. Die Schätzwerte der Fallsterblichkeit vom Frühjahr betrugen lt. WHO und RKI so etwa zwischen 4 und 9 %.

In dem wissenschaftlichen Journalartikel "A systematic review and meta-analysis of published research data on COVID-19 infection fatality rates" kommen die Ioannidis-Kritiker Meyerowitz-Katz/Merone, publiziert im "International Journal of Infectious Diseases" (Volume 101, December 2020, S. 138-148), auf eine deutlich höhere durchschnittliche IFR (0,68 %). Auch hier handelt es sich, wie bei Ioannidis, um eine Metastudie, allerdings mit etwas anderer Datengrundlage und einer anderen Auswertungsstrategie.

Quelle: https://www.sciencedirect.com/science/a ... 1220321809#

Wie kann man diese Differenzen in den Schätzwerten der IFR (0,26 bis 0,68 %) erklären?

Offensichtlich besteht ein großes Problem von Metastudien darin, dass die statistisch ausgewerteten Antikörperstudien eine unsichere Datengrundlage haben. Nach meinem Eindruck hat das damit zu tun, dass nicht alle Antikörpertests in gleicher Weise zuverlässig sind. Auch scheint es erhebliche methodische Probleme und uneinheitliche, zuweilen unvergleichbare nationale statistische Erfassungen der offiziellen Sterbedaten zu geben. D.h.: Unklar ist, wer alles in den nationalen Statistiken als Covid-19-Toter klassifiziert wird und wer nicht.

Noch grundsätzlich wird Ioannidis vorgeworfen (vgl. https://www.derstandard.at/story/200012 ... oronavirus), dass dieser "viele relativ minderwertige Studien kombiniert habe, die dazu neigten, die jeweilige IFR zu unterschätzen. Zudem habe er meist den niedrigen Wert als Median übernommen." Ich kann das nur zitieren, nicht überprüfen. Dafür fehlt mit die methodische Kompetenz.

Was ist von dieser wissenschaftlichen - es ist keine politische - Kontroverse zu halten?

- Konsens der Kontroverse zwischen Ioannidis und seinen Kritikern scheint zu sein: Das Virus ist (für Ältere - über 65) deutlich gefährlicher als die Grippe. Besonders ab 70/75 Lebensjahren. Es ist für Junge (0-20) nicht gefährlich. Und es ist für Menschen von 20 bis 65 deutlich weniger gefährlich als man im Frühling noch befürchtete.
- Die Einschätzung eines "Datenfiaskos" von Ioannidis vom März 2020 ist nach wie vor gültig.
- Schätzwerte auf der Basis der Fallsterblichkeit haben im Frühjahr ein unrealistische Bild über die tatsächliche Bedrohung gezeichnet. Der Grund ist so einfach wie schlicht: Die Dunkelziffer der Infizierten ist weiterhin unbekannt.
- Die Schätzwerte der IFR gehen erheblich auseinander (Ioannidis: 0,26 %, Kritiker: 0,68 %)
- Diese Schätzwerte sind keine Wahrheitsaussagen (richtig/falsch), sondern wissenschaftliche Annäherungsversuche, angesichts der vorhandenen gravierenden Datenprobleme, etwas genaueres über das "tatsächliche" Sterblichkeitsrisiko von Covid-19 aussagen zu können.
- Weder bei den Schätzwerten der IFR von Ioannidis noch bei seinen Kritikern findet man, noch nicht einmal annäherungsweise, so düstere Schätzwerte wie die Schätzungen der Fallsterblichkeit (4 bis 9 %, WHO, RKI) vom Frühjahr.
- Es gibt bis heute keine großen und repräsentativen Seroprävalenzstudien. Das ist früh moniert wurden, bereits Anfang April, dann publiziert in einem internationalen wissenschaftlichen Methodenjournal (Quelle: https://ojs.ub.uni-konstanz.de/srm/article/view/7749). In Deutschland ist eine repräsentative Studie vom RKI (in Kooperation mit dem DIW/SOEP) inzwischen in Arbeit. Ich hatte vor Monaten kritisiert (s.o.), dass es ein Unding sei, dass keine repräsentativen Daten zur IFR vorliegen würden. An diesem Datendesaster hat sich bis heute eigentlich nix geändert. Ich bin gespannt auf die repräsentativen Daten von RKI/DIW/SOEP.

https://www.marktforschung.de/aktuelles ... -abbildet/

Weiteres Journalpaper von Ioannidis, falls jemand von euch interessiert ist, zur gobalen Abschätzung der Todeszahlen:

Ioannidis (2020), Global perspective of COVID-19 epidemiology for a full-cycle pandemic. In: European Journal of Clinical Investigation, Oktober 2020. Quelle: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epd ... /eci.13423

Weitere Ioannidis-Kritiker siehe hier:

https://www.dailymail.co.uk/news/articl ... laims.html

JudgeDark
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon JudgeDark » Mi 28. Okt 2020, 22:03

Ist dir eigentlich nicht bewusst, dass das keiner liest?! :floet:
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Do 29. Okt 2020, 15:18

Wenn du es nicht lesen willst oder wer auch immer, wenn du dich also nicht mit wissenschaftlichen Kontroversen beschäftigen und diese nachvollziehen möchtest, dann ist das dein gutes Recht. Aber bitte kein Shitstorm mehr. Das ist unsachlich und unangemessen.

Heute Abend ein paar - wertneutrale - Zusammenfassungen, was Wissenschaftler, Virologen und Epidemiologen zum aktuellen Lockdown light in Deutschland denken. Die FAZ bemerkt heute, dass sie "allerdings auch nicht mehr ganz so einig sind wie noch vor Monaten".

casinosoul
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Do 29. Okt 2020, 18:02

Wie bewerten Wissenschafter den Lockdown light?

Ich habe vorhin die heutige FAZ zitiert, die anmerkt, dass sich Wissenschaftler, Virologen und Epidemiologen "auch nicht mehr ganz so einig sind wie noch vor Monaten".

Nach meiner gestrigen und heutigen Durchsicht der FAZ (leider ist einiges hinter der Bezahlschranke) möchte ich die veröffentlichten Einschätzungen von Wissenschaftlern pro und contra Lockdown light wie folgt zusammenfassen:

Die große Mehrheit von Experten, die in der FAZ zu Wort kommen, stimmt Merkel zu:

Die Strategie der Reduktion von Infektionen sei das absolute Gebot der Stunde. So argumentieren etwa alle großen wissenschaftlichen Gesellschaften (DFG, Max-Planck, Frauenhofer, Leopoldina usw.). Man gehe davon aus, dass man durch einen Lockdown light das Infektionensgeschehen durch die neuerlichen Maßnahmen in D eindämmen könne. Die oben genannten wiss. Gesellschaften berufen sich auf aktuelle mathematische Simuationsmodelle (Reduktion der Alltagskontakte um 1/4 etc.). Ich möchte anmerken, dass in diesen Simulationsmodellen allerdings nicht der Frage nachgegangen wird, was passieren wird, wenn die Fallzahlen, was m.E. wahrscheinlich sein wird, infolge des Lockdowns deutlich sinken, aber dann wieder ansteigen werden.

Eine Minderheit von - seriösen - Experten meint, lt FAZ:

So etwa die Bundesärztliche Kassenvereinigung und einige Virologen wie Streeck (Universitätsklinikum Bonn), Schmidt-Chanasit (Universitätsklinikum HH) oder Willich (Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité), dass die Erwartung der Mehrheitsexperten "spekulativ" sei (Zitat FAZ, 28.10,20). Insbesondere bemängeln sie die Kurzatmigkeit der neuen Maßnahmen. Und sie fragen: Was passiert im Winter, wenn die Indizenz wieder ansteigen werde? Komme dann ein neuer Lockdown? Und was passiere dann, wenn nach einem erneuten Lockdown die nächste Welle kommen werde.

Sie sprechen von einer „reflexartigen Konsequenz“ von steigenden Infektionszahlen. Die Eindämmung der Ausbreitung sei zwar eine dringende politische Aufgabe, "aber nicht um jeden Preis". Die Folgen eines Lockdowns seien: „Unterlassung anderer dringlicher medizinischer Behandlungen, ernstzunehmende Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen, soziale Deprivation und Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen, Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage.“ Also die bekannten Argumente. Das Hauptziel müsse sein: schwere Verläufe der Pandemie zu mindern, ohne neue Schäden zu verursachen. Man warne vor „Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblemen“ der Maßnahmen. Auch gäbe es keine einheitliche wissenschaftliche Grundlage dafür, den Pandemieverlauf allein nach der Anzahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen zu bewerten und daraus Einschränkungen abzuleiten (FAZ, 28.10.20: „Ärzte warnen vor neuem Lockdown“) Diese Experten haben sich bekanntlich gegen einen Lockdown light ausgesprochen. Kekulé lehnt inzwischen auch den Lockdown light ab (MDR 28.10.20).

Lt. Merkel seien „drei Viertel der Infektionen […] nicht mehr nachverfolgbar auf deren Quelle hin […], weshalb man gar nicht behaupten könne, dass bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens nicht zum Infektionsgeschehen beitragen." Stefan Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Berliner Charité, „hält indes solch eine Behauptung für spekulativ“. Restaurants, Kneipen, Opernhäuser etc. mit Hygienekonzepten seien kein erwiesener Treiber des Infektionsgeschehens. Vielmehr spricht er, lt. FAZ, von einem „Versäumnis der Politik […], die es unterlassen habe, die Gesundheitsämter rechtzeitig aufzurüsten. Diese seien nun vor allem aufgrund mangelnden Personals nicht mehr in der Lage, ihre Aufgabe zu erfüllen.“ „ Auch die Berufung auf schnell wachsende Verdopplungsraten bei der Nutzung von Intensivbetten durch Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern verwundere ihn. "Diese liege in Berlin zurzeit bei neun Prozent. Außerhalb Berlins dürfte sie niedriger sein. Als Grenzwert mit genügend Spielraum für eine angemessene medizinische Versorgung hatte man sich schon vor Monaten auf 25 Prozent geeinigt. Davon seien wir, so Willich, in Deutschland deutlich entfernt." Alle Zitate FAZ vom 29.10.20.


Eine sachliche Diskussion setzt voraus: Wir alle nehmen zur Kenntnis, dass es keine absoluten Wahrheiten gibt, sondern wir, mit Argumenten, immer nur versuchen können, uns der "Wahrheit" irgendwie ein klein wenig anzunähern. Der allererste Schritte dazu ist, überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, welche seriösen (wissenschaftlichen) Einschätzungen es gibt, und wir versuchen, die eine oder andere Einschätzung, die uns nicht passt, nicht als "unwahr" oder "falsch" oder als gar als "Lüge" (Brick top) abzukanzeln.
Zuletzt geändert von casinosoul am Do 29. Okt 2020, 18:18, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon JudgeDark » Do 29. Okt 2020, 18:07

Du wirst uns nicht überzeugen, egal wie lang deine Texte ausfallen ... und die wissenschaftliche Betrachtung in der Tiefe ist auch dein Steckenpferd, weil du eben irgendwo einen Ansatzpunkt suchst, um deine kruden Ideen doch noch Realität werden zu lassen.

----------------------------------

Ich bin auf das Wochenende gespannt, da der Lockdown-Light ja erst Montag beginnt! Ich tippe darauf, dass Freitag und Samstag die Kneipen, Bars usw. gestürmt werden, es wird überall wild gefeiert ... das lassen sich die Partypeople nicht nehmen. Zudem ist ja auch noch Halloween ... ein Grund mehr sich einen hinter die Binde zu kippen, gerne in großen Gruppen. Dann werden die Zahlen in den nächsten zwei Wochen vermutlich noch schneller steigen, als sie es eh schon tun ... somit verschenkt man zwei Wochen, die diese Maßnahme im Grunde überflüssig macht! Erst danach werden die Maßnahmen vermutlich zu einem Abflachen der Kurve führen ... sofern nicht privat die Partywelle weiter rollt!
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon Franky » Do 29. Okt 2020, 18:14

Eine sachliche Diskussion setzt vor allem mind. 2 Diskussionspartner voraus. Anonsten ist es ein Monolog oder Vortrag.
Na, wer merkt es als erstes? ;)
Sagt man Böses von dir, und es ist wahr, bessere Dich. Sind es Lügen, lache darüber. (Epiktet)

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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Do 29. Okt 2020, 18:24

Franky. Sehr gerne. Debattiere mit! Debatte heißt: Jeglichen Shitstorm zu bannen. Aufgrund des ganzen, wochenlangen Shitstorm gegen casinosoul werde ich zunächst euch berichten, was so alles debattiert wird. Zwischendurch gebe ich eine politische Einschätzung. Ich werde aber Bericht und Meinung strikt trennen. Shitstormkommunikation ist mir definitiv zu banal.
Zuletzt geändert von casinosoul am Do 29. Okt 2020, 18:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon Franky » Do 29. Okt 2020, 18:25

casinosoul hat geschrieben:
Do 29. Okt 2020, 18:24
Franky. Sehr gerne. Debattiere mit!
Nein Danke, mit dir nicht. Gründe sind bekannt.
Sagt man Böses von dir, und es ist wahr, bessere Dich. Sind es Lügen, lache darüber. (Epiktet)

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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Do 29. Okt 2020, 18:28

Bitte achte aber darauf, dass Shitstorm in einem offiziellen Forum der Roosters ("Lügner" etc.) nix zu suchen hat. Danke dafür. :hand:

Franky
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon Franky » Do 29. Okt 2020, 18:29

casinosoul hat geschrieben:
Do 29. Okt 2020, 18:28
Bitte achte aber darauf, dass Shitstorm in einem offiziellen Forum der Roosters ("Lügner" etc.) nix zu suchen hat. Danke dafür. :hand:
Ich hatte schon einmal gesagt, spiel dich hier nicht als Moderator auf. Hier haben wir bereits ein sehr gutes Mod-Team. :hand:
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon JudgeDark » Do 29. Okt 2020, 18:36

Danke für die Blumen, Franky!

@Casino
Schreib hier in dem Thread einfach nicht mehr und behalte deine Theorien, wissenschaftlichen Betrachtungen usw. für dich, dann gibt es auch keinen Shitstorm ... wobei, das ist kein Shitstorm, das sind glasklare Fakten und Meinungen über den Kram, den du hier schreibst. Und der Begriff "Lügner" ist glaube ich gefallen, als man dir Lüge nachgewiesen hat, worauf du natürlich nicht eingegangen bist!
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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon casinosoul » Do 29. Okt 2020, 18:56

@JD Wenn ich hier der "Lüge" bezichtigt werde, dann sind Klarstellungen unumgänglich. Weitere werden folgen.

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Re: Alte Normalität

Ungelesener Beitragvon IrgendwannEinmal » Fr 30. Okt 2020, 08:10

Ich finde, casino hat jedwedes Recht, hier in einem Offtopic-Bereich krude Dinge zu posten, solange sie nicht auf rechtsextreme Webseiten o.ä verweisen.

Jeder hier hat aber auch das Recht, dir, casino, mit Blick auf deine "Posting-Historie" nicht zu antworten.